Chronik

Stuhlreiter
So könnte Stuhlreiter seine „Cymbal“ gespielt haben.

Der Ort Rohrdorf stützt sein Entstehungsdatum auf eine erstmalige schriftliche Erwähnung in der "Notitia Arnonis" im Jahr 788. Damals nannte der Erzbischof Arno von Salzburg die Pfarreien „rordorf, lutrinpah und huinmos“ als salzburgischen Besitz auf herzoglich bayerischem Grund.

Auch die Musikkapelle Rohrdorf bezieht ihr Gründungsdatum auf eine erste schriftliche Erwähnung, nämlich ein „Verzeichnis über alle zur Pfarrkirche Rohrdorf gehörigen Musikalien und Musikinstrumente“ – auch Blechblasinstrumente -  aus dem Pfarrarchiv des Jahres 1859 und betrachtet dies als ihr Gründungsdokument.

Musikalisches Leben steht in Rohrdorf jedoch schon früher, seit über 180 Jahren im Mittelpunkt kulturellen Wirkens. So erteilte das Königlich Bayerische Graf-Preysingsche Herrschaftsgericht zu Neubeuern im Februar 1825 dem Sebastian Stuhlreiter, Guggensohn von Rohrdorf, die amtliche Erlaubnis, "... sich mit seinem erlernten Instrumente Cymbal (Hackbrett) bei Hochzeiten und anderen Tanzmusiken Verdienst zu suchen".

15 Jahre später erhielt dessen 26-jähriger Sohn Georg vom Königlich Bayerischen Landgericht Rosenheim eine Lizenz zum Aufspielen „auf Messen, Märkten, Kirchweihen, Hochzeiten oder bei sonstigen Feierlichkeiten in öffentlichen Häusern“. Georg Stuhlreiter musste auch, wenn es notwendig war, unentgeltlich bei der Kirchenmusik mitwirken. Auf sein Bestreben hin wurden in den Jahren 1859/60 dreizehn Musikinstrumente angekauft. Der Eintrag “2 Hörner, 4 Trompeten, 2 Pauken mit Kupferkessel angekauft im Jahr 1859” gilt heute als erstes schriftliches Zeugnis über Blasmusik in Rohrdorf.

Es ist überliefert, dass Georg Stuhlreiter mit diesen Instrumenten die ersten Blasmusikanten ausbildete und mit ihnen eine Musikkapelle gründete. Somit war er Wegbereiter und erster Kapellmeister in Rohrdorf. Die Teilnahme der damals jungen Blaskapelle an den Friedensfesten im August und September 1871 ist aus alten Zeitungsartikeln überliefert.

Ab 1875 waren die Kapellenmitglieder Andreas Stocker und Georg Stuhlreiters Sohn Jakob als Signaltrompeter bei der Freiwilligen Feuerwehr im Einsatz. Diese kaufte 1882 aus der Feuerwehrkasse einen Bombardon, für den die Musikkapelle eine Mark Leihgebühr pro Aufführung zu entrichten hatte. Etwa ab diesem Jahr leitete Franz Xaver Bock die Kapelle, die schon auf Faschingsbällen, Fahnenweihen und anderen Festlichkeiten für die Freiwillige Feuerwehr, den Veteranenverein und die Schützengesellschaft spielte. So begleitete die Musikkapelle die Feuerwehr zu einer Fahnenweihe in Rosenheim und erhielt dafür 55 Mark aus der Feuerwehrkasse.

Die Blaskapelle Rohrdorf um 1920
Die Blaskapelle Rohrdorf um 1920. 1. Reihe Mitte: Josef Warter, Posaunist und Dirigent

Ab 1903 wird Josef Warter im Zusammenhang mit der Ausleihe des Bombardons von der Feuerwehr genannt, weshalb anzunehmen ist, dass er ab dieser Zeit die Stabführung der Kapelle übernahm. Neben kirchlichen Anlässen, Heldengottesdiensten und Beerdigungen musizierte die Kapelle höchstens 2 bis 3 mal in der Öffentlichkeit. Ein besonderes Ereignis stellte die Teilnahme an der „Prinzregentenfeier“ im April 1911 dar. Da 1914 fast alle Musiker zum Kriegsdienst eingezogen wurden, kamen die musikalischen Aktivitäten zum Erliegen.

Erst 1920 war es möglich, mit 10 Musikanten den Spielbetrieb mit einem Schützenkranzl wieder aufzunehmen. Seit dieser Zeit spielte die Musikkapelle wieder regelmäßig, so z.B. zur Einweihung des in Rohrdorf errichteten Kriegerdenkmals im Mai 1925. Auch Theateraufführungen wurden ab 1926 von Josef Warter und seinen Musikanten untermalt. Musikalischer Höhepunkt dieses Jahres war das im Ort abgehaltene Musikfest. 

Bettelhochzeit mit den Musikanten
Bettelhochzeit mit den Musikanten um 1936. Ganz vorne Links der Blitz-Miche mit seinem Bombardon.

1937 gab es einen Dirigentenwechsel: Andreas Schmid, ein erfahrener Musiker, übernahm den Taktstock. Er fügte der bisher reinen Blechmusik auch Klarinetten hinzu und erweiterte die Kapelle auf 20 Musikanten. Im Juni 1938 gestalteten die Rohrdorfer als Festkapelle die Fahnenweihe des 1935 gegründeten Trachtenvereins “Achentaler Rohrdorf”. Auch zum 2. Weltkrieg wurden wieder viele Musikanten zur Wehrmacht eingezogen, so dass nur mehr bei Heldengottesdiensten und Beerdigungen mit einer kleinen Besetzung gespielt werden konnte.

Rohrdorfer Musikkapelle um 1950
Die Musikkapelle mit Andreas Schmid als Dirigent in den 50er Jahren

Erstmals 1948 liest man in den Registern der Vereine wieder über Aktivitäten der Musikkapelle Rohrdorf. Andreas Schmid gestaltete 1949 die Gedächtnisfeier für die Gefallenen der Gemeinde Rohrdorf und rückte mit seinen Mannen und Festwagen zum Leonhardi-Ritt in Heilig-Blut bei Rosenheim aus.

Das 3. Bezirksmusikfest des Bezirks Inn-/Chiemgau am 16. / 17. Juli 1955 in Rohrdorf war mit Sicherheit das größte Ereignis im langjährigen Engagement des Kapellmeisters Andreas Schmid. Als Dirigent bestritt er mit dem Stück “Lustspielouvertüre” von Kela Bela die Wertungsspiele mit seiner Kapelle. In seine Amtszeit fällt auch die Einführung einer einheitlichen Tracht.

Musikkapelle Rohrdorf in den 50iger Jahren
Holzham/Bruckmühl 50er Jahre: Festzug zum 80. Geburtstag des Pfarrers Kammerer.

Franz Sanftl löste im Februar 1957 Andreas Schmid als Kapellmeister ab. Mit mehreren jungen Musikern erweiterte er die Kapelle auf 25 Mann und nahm erstmals auch Schlagzeug auf. Somit war es von nun an möglich, dass größere Veranstaltungen und Blasmusik-Konzerte auch ohne Aushilfen gespielt werden konnten. Die große Anzahl von jungen Musikanten in Rohrdorf war auch der Anlass für die Teilnahme am fränkischen Landjugendtag in Sommerhausen im Mai und April 1958 und beim deutschen Landjugendtag in Landau in der Pfalz 1959.

Geprobt wurde in den 50er Jahren beim „Wörndl-Wirt“ und beim „Stocker“, später (bis in die 70er Jahre) im Mannschaftsraum der Freiwilligen Feuerwehr Rohrdorf. Höhepunkt in der Dirigentenzeit Franz Sanftls war das Fest zum 100jährigen Bestehen der Musikkapelle im Sommer 1973, wobei man sich auf das Datum des ersten „Lizenz-Scheins“ von Georg Stuhlreiter im Jahr 1873 bezog.

1973 übernahm Karl Frey von Franz Sanftl die Leitung der Kapelle und baute sie zu einem über 50 Mann starken Blasorchester auf. Durch sein Engagement um die Jugendarbeit war bereits 1976 eine eigene Jugendkapelle gegründet worden, deren Mitglieder bis heute das Kernstück der Musikkapelle bilden. Er führte 1976 das regelmäßige Herbstkonzert ein. Mehrer spektakuläre „Einsätze“ folgten: 1979 Eröffnung der Bahnmeisterschaft der Radfahrer im Olympia-Stadion München, 1980 Musikerreise nach Indonesien, 1985 Geburtstagsständchen für Franz-Josef Strauß in München. Die Plakette „Pro Musica“, verliehen 1989 vom Bundespräsidenten, war sicher auch das Verdienst von Karl Frey, ebenso, dass die Musikkapelle zunächst im 1. Stock („Erkerzimmer“) des Schulhauses proben konnte bis dann dessen ganzes Dachgeschoss in Eigenleistung zum Probenraum umgebaut wurde.

Semper-Oper
Standkonzert vor der Semper-Oper

1989 wurde der Verein „Musikkapelle Rohrdorf e.V.“ gegründet, das 32. Bezirksmusikfest in Rohrdorf durchgeführt, dem 2000 das 40. Bezirksmusikfest mit 140jährigem Gründungsjubiläum der Kapelle folgte. 2001 machte die Musikkapelle einen mehrtägigen Ausflug nach Dresden mit einem Standkonzert vor der Semper-Oper als Höhepunkt.

Musikkapelle Rohrdorf 1989
Musikkapelle Rohrdorf in den 80iger Jahren vor dem Achentaler Heimathaus

Seit Januar 2002 wird die Kapelle nun von Michael Morgott geleitet, die inzwischen über 60 aktive Musikanten umfasst. Morgott legt großen Wert darauf, rechtzeitig für qualitativ hoch stehenden Musiker-Nachwuchs zu sorgen: Die Zahl der Lehrer wurde erhöht, sodass derzeit (2009) fast 40 Musikschüler von und für die Musikkapelle ausgebildet werden. Die Klarinettistin Johanna Bachmaier formte als Jugendleiterin eine eigenständige Jugendkapelle, die durchaus in der Lage ist, einen Konzertabend allein zu bestreiten.

Die auf Initiative von Walter Schatt, Aufsichtsratsvorsitzender der schattdecor AG Thansau, in Leben gerufenen Partnerschaftstage mit den Gemeinden Rosate (Italien), Tarnowo Podgorne (Polen) sowie die darüber hinaus mit dem Musikverein Schattendorf (Burgenland) bestehenden freundschaftlichen Beziehungen führten einerseits die Musikkapelle zu einigen Besuchen nach Italien, Polen und Österreich, andererseits waren sie Anlass für mehrere „Konzerte der europäischen Nationen“ in Rohrdorf.

Konzert der Nationen 2005 in Rohrdorf
Konzert der Nationen 2005 in Rohrdorf
Home | Schriftgrösse:

Kontakt

Wollen sie einen Termin mit uns vereinbaren oder Sie haben Fragen zur Musikkapelle Rohrdorf wenden sie sich bitte an.

1.Vorstand Martin Grick
Telefon: 0176/62033427
E-Mail: m.grick©gmx.net
oder per Kontaktformular »

Fördervereinsmitglied werden!

Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne der Abgabenordnung. Deshalb sind Spenden in beliebiger Höhe steuerlich voll absetzbar. Wenden Sie sich gerne mit allen Fragen und mit Ihrem Aufnahmeantrag an ein beliebiges Mitglied des Vorstandes!

mehr zum Musikförderverein »

Antragsformular als
PDF-Download