Frankreich – auch musikalisch eine Reise wert

Das Duo Christian und Romina Posch ergänzten den Vortrag der Musikkapelle Rohrdorf unter der Leitung von Michael Morgott
„Merci“ war das Motto und Frankreich das Thema des Herbstkonzerts der Musikkapelle Rohrdorf – Erstmals zeigte in diesem Rahmen auch die Jugendkapelle ihr Können – Insgesamt wirkten über 100 Musikanten mit.
Mit einem sehr präzis vorgetragenen Marsch „Semper Fidelis“ eröffnete die Jugendkapelle das diesjährige Herbstkonzert der Musikkapelle Rohrdorf. Zwar hatte die Dirigentin Johanna Gehring einen für John Philip Sousa eher etwas zu langsamen, für eine Jugendformation aber angemessenen Takt gewählt – trotzdem gelang dieses Stück des amerikanischen „Königs der Marschmusik“ ausgezeichnet. Auch in der „Alpine Ouverture“ des ebenfalls amerikanischen Komponisten Bruce Preuninger konnten die jungen Musiker mit der majestätischen Einleitung und dem harmonischen Ende die wilde Bergwelt des amerikanischen Westens und mit einem schäferhaften Andante im Mittelteil die satten Weiden und klaren Seen bildhaft beschreiben.
Jugendkapelle: New Generation
War ursprünglich der „Song for a New Generation“ von Ben Haemhouts allen Menschen zur Jahrtausendwende gewidmet, so begeistert bezog die „Junge Generation“ der Musikkapelle diesen Titel auf sich – die Lieblingsmelodie der Rohrdorfer Jugendkapelle, wie man aus Elan, aber auch aus Exaktheit des Vortrages entnehmen konnte. Bei dem Werk „Air and Caprice“ von Larry Clark gelang Johanna Gehring und ihren Schützlingen mit „Air“ im Adagio und „Caprice“ im Allegro eine ausgewogene Mischung aus bedächtigem Choral und schwungvollem Marsch.
Als ein kleiner, heiterer, in perfektem Rhythmus gebotenem Paso Doble entpuppte sich das Stück „Toro Piscine“ des Niederländers Kees Vlak, der diese lustige Beschreibung eines unblutigen Stierkampfes an und in einem Schwimmbecken in Südfrankreich unter dem Pseudonym Luigi die Ghisallo geschrieben hat. Und mit dem Stück „Funkytown“ von Steven Greenberg / Johnnie Vinson, einem vor allem bei Jugendlichen beliebter „richtiger Reißer“ mit unverwechselbarem Rhythmus, den das starke Schlagwerk pfiffig rüber brachte, verabschiedete sich die Jugendkapelle von ihrem Publikum, das mit Applaus nicht geizte.
Thema: Frankreich
Mit dem „Pariser Einzugsmarsch“ von Johann Heinrich Walch aus der Mitte des 19. Jahrhunderts eröffnete die Musikkapelle den zweiten, „französischen“ Teil des Konzertabends. Der leichtfüßige Marsch mit tänzerischem Trio, eher der trabenden Reiterei als hackenschlagenden Grenadieren zuzuordnen, hätte, bezogen auf das „klingende Spiel“ seiner Entstehungszeit, ein etwas lauteres Glockenspiel vertragen.
Auf dem besten Werk des französischen Philosophen Voltaire „Candide, Ou l’optimisme“ beruht Leonard Bernsteins Musical „Candide“, dessen Ouvertüre Dirigent Michael Morgott ausgesucht hatte. Viel Applaus spendete das Publikum, wohl aber mehr für die mit großer Konzentration gemeisterten Tücken dieses schwierigen Werkes als für das Stück als solches, weiß dieses doch nicht so recht, ob es Oper, Operette, Musical oder Broadway-Show sein will.
Weit musste Elke Lohmann in ihrer Moderation ausholen, um die Filmmusik zu „Der letzte Mohikaner“ über den englisch-französischen Krieg Mitte des 18. Jahrhunderts in das französische Thema des Abends einzuordnen. Mohikaner kämpften mit den Engländern, Huronen schlugen sich auf die Seite Frankreichs. Hübsch: Das Saxophon-Register mit einem fast durchgängigen Thema, das der Dudelsackmusik der eingewanderten Engländer nachempfunden zu sein scheint.
Paris – Montmartre
Dem Japaner Toshio Mashima gelang es ausgezeichnet, die französischen „Ohrwürmer“ in einem Medley zu verbinden – doch scheinen Chansons wie „C’est si bon“, „Sous le ciel de Paris“ oder gar „La vie en rose“ auf den erste Blick nicht gerade das klassische Metier eines Blasorchesters zu sein. Die Rohrdorfer wussten sich zu helfen und reaktivierten ihren Altmusikanten Georg Dick sen., der mit seinem Akkordeon ein spritziges, nachdenkliches, trauriges Pariser Flair zauberte.
Mit dem Musical-Filmdrama „Moulin Rouge“ von Ewan McGregor tauchte man tief hinein in das Herz von Paris – dort spielt der Film, dessen Musik jedoch keine französischen Melodien aufweist, sondern fast ausschließlich Elemente aus aktuellen Pop- und Rock-Songs verwendet, von Madonna bis Nirvana, von Queen bis Elton John. Also weniger Melodien zum mitsummen als mehr Rhythmen zum Wippen, zumal das Duo Christian und Romina Posch den gesanglichen Part übernommen hatten, der ihnen vor allem mit einem rührenden „One Day I’ll Fly Away“ gut gelang. Besonders bei diesem letzten Programmteil konnte das sechsköpfige Schlagwerk wirklich zeigen, wie ausgezeichnet es moderne Percussion beherrscht.
Dass sich das Publikum nach einem so schönen Konzertabend noch mehrere Zugaben erklatschte, war fast selbstverständlich. Sie wurden mit den Märschen „Arsenal“ von Jan van der Roost und "Des Großen Kurfürsten Reitermarsch" von Kuno Graf von Moltke gewährt – vor allem dieser hätte es verdient, im Hauptprogramm aufgeführt zu werden, gereichten doch die vom Trompeter Josef Neuner geblasenen Signale zu einem letzten Höhepunkt des Konzerts.

